Bitcoin beendete das erste Halbjahr 2026 bei rund 59.582 US-Dollar. Institutionelle Abflüsse, eine restriktivere Geldpolitik und eskalierende geopolitische Spannungen im Nahen Osten lasteten auf dem Kurs: Der nach Marktkapitalisierung größte digitale Vermögenswert verzeichnete im ersten Halbjahr einen Rückgang von rund 30 Prozent. Es ist erst das dritte Mal in seiner Geschichte, dass Bitcoin zwei Quartalsrückgänge in Folge hinnehmen musste. Besonders auffällig an diesem Einbruch ist seine Breite: Anders als frühere Korrekturen, die vor allem marktinterne Ursachen hatten, ist dieser fest mit makroökonomischen Kräften verknüpft, die gleichzeitig auf Gold, Silber und Aktien drücken.
Der deutlichste Hinweis auf schwindende institutionelle Überzeugung zeigt sich in den Mittelflüssen der US-amerikanischen Bitcoin-Spot-ETFs. Allein im Juni flossen rund 4,06 Milliarden US-Dollar ab, der höchste monatliche Rücknahmewert seit Bestehen dieser Produkte. Im bisherigen Jahresverlauf summieren sich die Nettoabflüsse aus US-notierten Bitcoin-Fonds auf rund 5 Milliarden US-Dollar. Die Rücknahmen der vergangenen Woche von etwa 1,79 Milliarden US-Dollar waren der zweithöchste Wochenwert seit Handelsstart. Das widerspricht den Erwartungen einer Nachfragebelebung, die der Börsengang von SpaceX Anfang des Monats ausgelöst hatte. Globale ETP-Anbieter im Bereich digitale Vermögenswerte verzeichneten zuletzt weitere Abflüsse von 1,4 Milliarden US-Dollar, was zeigt, wie breit sich der Rückzug aus der Anlageklasse vollzieht.
Das makroökonomische Umfeld ist für Sachwerte zunehmend belastend. Der neue Vorsitzende der US-Notenbank, Kevin Warsh, signalisierte bei seiner ersten Sitzung einen entschlossenen geldpolitischen Kurs. Die Märkte preisen inzwischen zwei Zinserhöhungen um je einen Viertelprozentpunkt bis März 2027 ein, was den Leitzins auf eine Spanne von 4,00 bis 4,25 Prozent bringen würde. Der Kernindex der persönlichen Konsumausgaben lag im Mai bei 3,4 Prozent und damit im Rahmen der Erwartungen. Die Konsumausgaben überraschten jedoch positiv und stützen die aktuelle Haltung der Fed. Der US-Dollar legte allein in der vergangenen Woche um 0,8 Prozent zu. Gold fiel erstmals seit November unter 4.000 US-Dollar, Silber hat mehr als die Hälfte seines Höchststands eingebüßt, und Bitcoin liegt rund 50 Prozent unter seinem Oktober-Hoch. Über weite Strecken der vergangenen zwei Jahre galten alle drei Vermögenswerte als Ausdruck desselben sogenannten Debasement-Trades: der Wette, dass steigende Staatsverschuldung und Währungsverwässerung Kapital in knappe Sachwerte treiben. Was sie auf dem Weg nach oben zusammenhielt, zieht sie nun gemeinsam nach unten. Solange die Fed ihren Kurs nicht wesentlich ändert, dürfte Bitcoin kaum aus diesem Muster ausbrechen.
Zusätzlichen Druck erzeugt die Lage bei Strategy. Das Enterprise-Multiple zum Nettoinventarwert ist erstmals unter 1,0 gefallen. Die Aktie notiert bei rund 82 US-Dollar, rund 85 Prozent unter dem Allzeithoch vom November 2024. Der Unternehmenswert liegt bei etwa 50,4 Milliarden US-Dollar, während die Bitcoin-Bestände des Unternehmens zum aktuellen Kurs rund 51,1 Milliarden US-Dollar wert sind. Eine Kapitalerhöhung wäre für bestehende Aktionäre verwässernd. Auch die nachrangigen Instrumente stehen unter Druck: STRC fiel von 100 auf 75, SATA auf 88. Der Bitcoin-Bestand des Unternehmens entspricht zwar rund 4 Prozent des gesamten Angebots und stellt kein systemisches Risiko dar, belastet die Marktstimmung jedoch spürbar.
Die Geopolitik kam erschwerend hinzu. US-Militärschläge gegen iranische Ziele am Wochenende verschärften die Spannungen rund um die Straße von Hormus und trieben den Brent-Rohölpreis auf rund 72 US-Dollar je Barrel. Die US-Aktienmärkte spiegelten die allgemeine Volatilität wider: S&P 500 und Nasdaq Composite verloren in der vergangenen Woche rund zwei beziehungsweise 4,6 Prozent. SpaceX verstärkte die Turbulenzen zusätzlich. Nach Berichten über eine geplante Anleiheemission von 20 Milliarden US-Dollar im Zusammenhang mit der xAI-Übernahme brachen die Aktien innerhalb von drei Handelstagen um rund 23 Prozent ein. Der Kurs liegt nun bei etwa 153 US-Dollar, rund 32 Prozent unter dem Ausgabepreis beim Börsengang. Innerhalb weniger Tage nach einem Listing, das viele als Katalysator für neue Risikobereitschaft in digitalen Vermögenswerten erwartet hatten, wurden über 600 Milliarden US-Dollar an Marktwert vernichtet. Ein konstruktives Signal inmitten dieser Lage: Der Verkaufsdruck großer Adressen, ein wesentlicher Auslöser der Korrektur im Oktober, hat sich merklich abgeschwächt. Das entspricht in etwa dem historischen Vier-Jahres-Zyklus. Allerdings kehren diese Marktteilnehmer erfahrungsgemäß erst nach dem nächsten Halving als Nettokäufer zurück, das erst 2028 ansteht.
Ethereum beendete das Halbjahr mit eigenen Belastungen. Die Ethereum Foundation gab einen Stellenabbau von rund 54 Mitarbeitenden bekannt, was etwa 20 Prozent der Belegschaft entspricht, und kürzte das Budget um 40 Prozent. Die Neustrukturierung erfolgt entlang drei strategischer Säulen: Protokoll, Beschleunigung und Stewardship. Auf regulatorischer Seite passierte der CLARITY Act im Mai den Bankenausschuss des Senats, benötigt aber noch eine Abstimmung im Plenum und die Abstimmung mit der Fassung des Repräsentantenhauses. Da der Senat durch die Iran-Lage stark beansprucht wird, ist die Augustpause das realistischere Zeitfenster für weitere Fortschritte. Ethereum gilt als der Vermögenswert, der von einer Verabschiedung des Gesetzes am stärksten profitieren würde, da es Klarheit über die Klassifizierung seines Smart-Contract-Ökosystems brächte.
Die kommende Woche bringt zwei wichtige Weichenstellungen. Erstens der US-Arbeitsmarktbericht für Juni, der wegen des Feiertags zum 4. Juli bereits am Donnerstag veröffentlicht wird. Ein deutlich schwächerer Wert wäre der glaubwürdigste kurzfristige Auslöser für eine Stimmungswende bei digitalen Vermögenswerten. Das aktuelle Umfeld liefert dafür allerdings wenig Anhaltspunkte.
Zweitens endet am 1. Juli die MiCA-Übergangsfrist für Anbieter von Krypto-Dienstleistungen in der Europäischen Union. Ab diesem Datum dürfen Unternehmen ohne gültige Zulassung oder aktive Bestandsschutzregelung keine EU-Kunden mehr bedienen. Die Frist schließt formal die regulatorische Grauzone, auf die sich viele mittelgroße Anbieter bislang gestützt haben. Für vollständig zugelassene Unternehmen ist das ein struktureller Vorteil: Der adressierbare Markt an Kunden, die einen regulierten Vertragspartner benötigen, ist ab sofort größer. Eine Konsolidierung unter kleineren Anbietern in den kommenden Wochen ist wahrscheinlich.