Bitcoin fiel am Montag im asiatischen Handel unter 77.000 USD und schloss damit eine Woche mit einem Minus von rund 4,80 % ab - der niedrigste Stand seit Anfang Mai. Der größte digitale Vermögenswert hatte in der Vorwoche kurzzeitig über 80.000 USD notiert, bevor die Aufwärtsdynamik nachließ. Auslöser des Rücksetzers waren steigende Anleiherenditen, anziehende Ölpreise und neu aufkommende geopolitische Sorgen, die die Nachfrage nach Anlagen mit höherem Risiko an den globalen Märkten dämpften.
Die Renditen von US-Staatsanleihen gaben in der vergangenen Woche den Ton an. Die Rendite 30-jähriger Anleihen schloss bei 5,13 % und damit auf dem höchsten Stand seit 2007. Die Rendite 10-jähriger Anleihen überschritt 4,50 % und erreichte ein 12-Monats-Hoch. Auf Polymarket preisen Marktteilnehmer aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 98 % für eine Zinsen-Unveränderten im Juni sowie 94 % für eine Pause im Juli ein. An den Terminmärkten wird zudem eine moderate Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im weiteren Jahresverlauf eingepreist. Diese Verschiebung erhöht die Opportunitätskosten des Halten von Anlagen ohne laufende Rendite, zu denen auch Bitcoin zählt.
Verstärkt wurde der Renditedruck durch eine erneute Aufwärtsbewegung bei den Ölpreisen. Brent-Rohöl stieg um 1,78 % auf rund 111 USD pro Barrel, WTI legte um 2,20 % auf etwa 107 USD zu. Hintergrund waren Berichte über Drohnenvorfälle in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie ins Stocken geratene diplomatische Gespräche mit dem Iran. Präsident Trump warnte öffentlich, dem Iran „läuft die Zeit davon", um eine Einigung zu erzielen. Das nährte Befürchtungen einer breiteren regionalen Eskalation und die Sorge, dass energiegetriebener Inflationsdruck die Geldpolitik länger restriktiv halten könnte.
Die Stimmungsindikatoren bewegten sich im Gleichschritt mit der Preisentwicklung. Laut The Block fiel der Bitcoin Fear and Greed Index auf 27 zurück und damit in die Nähe des Angstbereichs, nachdem er zu Wochenbeginn noch im neutralen Bereich zwischen 40 und 50 notiert hatte. Auch die Aktienmärkte gaben nach: Der S&P 500 schloss am Freitag mit einem Minus von 1,20 %, der Nasdaq verlor 1,50 %. Beides spiegelt eine breitere Rotation in Risikoanlagen wider, da Investoren ihre Erwartungen an eine geldpolitische Lockerung neu kalibrieren.
Die On-Chain-Daten zeichnen ein differenzierteres Bild. Laut Glassnode wurden knapp 60 % des Bitcoin-Angebots seit über einem Jahr nicht bewegt. Die auf Börsen verwahrten Bestände liegen auf einem Sechsjahrestief. Beide Kennzahlen deuten darauf hin, dass langfristig orientierte Halter weitgehend inaktiv bleiben und der unmittelbare Verkaufsdruck am Spotmarkt begrenzt ist. Gleichzeitig liegt die MVRV-Kennzahl der kurzfristigen Halter unter 1. Das bedeutet, dass kürzlich eingestiegene Marktteilnehmer im Durchschnitt im Minus sind und auf weitere makroökonomische Belastungen empfindlicher reagieren könnten.
Auch die institutionellen Mittelflüsse spiegelten die zurückhaltende Stimmung wider. Laut CoinMarketCap verzeichneten Spot-Bitcoin-ETFs in der Woche zum 17. Mai Nettoabflüsse von rund 1 Mrd. USD und beendeten damit eine sechswöchige Phase der Zuflüsse. Die Verschiebung dürfte darauf zurückzuführen sein, dass Portfoliomanager angesichts des sich weiter nach hinten verschiebenden Zeithorizonts für Zinssenkungen der US-Notenbank in Liquidität und in defensivere Positionierungen umschichten.
Auf regulatorischer Ebene machte der CLARITY Act, der derzeit in Washington beratene Gesetzentwurf zur Marktstruktur, in der vergangenen Woche weitere Fortschritte. Das Gesetz soll einen klareren Rahmen für die regulatorische Behandlung digitaler Vermögenswerte in den USA schaffen. Es teilt die Aufsichtszuständigkeiten zwischen SEC und CFTC auf und definiert klarere Regeln für Token-Emittenten, Handelsplätze und weitere Marktteilnehmer. Mitglieder des Bankenausschusses des US-Senats reichten Änderungsanträge ein, und Abgeordnete signalisierten weiterhin bestehenden Gesprächsbedarf zum Rahmenwerk. Damit knüpft die Entwicklung an den Optimismus an, der Bitcoin in der Vorwoche zwischenzeitlich in Richtung 82.000 USD getragen hatte. Das Gesetz allein lieferte zwar in den vergangenen Handelstagen keinen kurzfristigen Kursimpuls, doch weitere Fortschritte könnten die Marktstimmung für digitale Vermögenswerte stützen, sofern der Prozess auf Kurs bleibt. Eine Verzögerung oder eine Verwässerung zentraler Bestimmungen könnte das Vertrauen hingegen leicht belasten.
Die kommende Woche bringt einen leichteren Konjunkturkalender, jedoch mehrere potenziell marktbewegende Termine. Nvidia legt am Mittwoch Quartalszahlen vor und dürfte angesichts seiner zentralen Rolle im KI-Thema den Ton für die allgemeine Risikobereitschaft setzen. Die US-Erzeugerpreise (PPI) am Donnerstag liefern einen weiteren Hinweis darauf, ob sich der Inflationsdruck über den Energiebereich hinaus ausweitet. Die Stimmungs- und Inflationserwartungsdaten der University of Michigan am Freitag runden das makroökonomische Bild ab. Marktteilnehmer werden zudem weitere Schritte im Rahmen des CLARITY Acts sowie mögliche Akzentverschiebungen des neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh bei Inflation und geldpolitischer Ausrichtung beobachten. Für Bitcoin bildet die Marke von 74.000 USD eine wichtige technische Unterstützung auf der Unterseite. Insgesamt dürfte der Handel in einer engen Handelsspanne verbleiben und nachrichtengetrieben verlaufen, bis eines der zentralen makroökonomischen Signale den Konsens durchbricht und dem Markt eine klarere Richtung vorgibt.