Der Stablecoin-Markt steht zu Beginn des zweiten Halbjahres 2026 an einem Wendepunkt. Zwei Jahre lang wuchs das Angebot nahezu senkrecht, jetzt konsolidiert es sich rund um die Marke von 300 Milliarden US-Dollar. Das Transaktionsgeschäft dahinter wächst unterdessen weiter und nähert sich echter Relevanz im Zahlungsverkehr. Die Frage ist längst nicht mehr, ob digitale Dollar funktionieren. Sie lautet: Wer gibt sie aus, wer verdient an ihnen, und nach welchen Regeln?
Drei Entwicklungen prägen das Bild. Erstens hat die im Juni 2026 angekündigte Einführung von Open USD den Wettbewerb neu definiert. Aus einem Rennen einzelner Emittenten ist ein Kampf zwischen Ökosystemen geworden. Mehr als 140 Institute aus Zahlungsverkehr, Bankwesen und Technologie stellen sich hinter ein Modell, das ein Konsortium steuert und dessen Erträge geteilt werden. Zweitens hat Circle Zahlen für ein viel beachtetes zweites Quartal vorgelegt und sich die Zulassung als bundesweit regulierte Trust Bank gesichert. Circle ist der einzige börsennotierte Emittent, der ausschließlich auf Stablecoins setzt. Die Aktie blieb dennoch unter Druck, und die Konkurrenz rückt näher. Drittens stand der CLARITY Act vor der Sommerpause kurz vor der Abstimmung im Senat. Es ist das bislang folgenreichste US-Gesetz zur Marktstruktur digitaler Assets. Sein Schicksal hängt an einer ungeklärten Frage: Dürfen Stablecoins eine Verzinsung bieten?
Stablecoins haben eine Schwelle überschritten. Aus einem Abwicklungsasset der Kryptowelt ist eine umkämpfte Infrastruktur des globalen Zahlungsverkehrs geworden. Wer die nächste Phase gewinnt, entscheidet sich kaum noch am Marktanteil einzelner Token. Es entscheidet sich an der Kontrolle über Vertrieb, Governance und die Erträge aus den Reserven, und daran, welche Grenzen die Regulierung in Washington gerade zieht.