Erstmals seit dem 15. Mai hat Bitcoin am Montag die Marke von 80.000 US-Dollar überschritten. In der Folgesitzung stieg der Kurs bis auf 81.220 US-Dollar, aktuell notiert er bei rund 80.700 US-Dollar. Auf Wochensicht ergibt das ein Plus von etwa 25 % und damit die stärkste Bewegung seit März 2023. Gegenüber den Tiefs von Ende Juni und Anfang Juli, als der Kurs kurzzeitig unter 58.000 US-Dollar fiel, liegt Bitcoin nun rund 38 % höher.

Bitcoin Price; Source: Investing.com, Teroxx Research
Getragen wurde die Erholung von der Rückkehr institutioneller Nachfrage. In US-Spot-ETFs auf Bitcoin flossen in der vergangenen Woche rund 1,9 Milliarden US-Dollar, der höchste Wochenzufluss seit Oktober 2025. Auf Ethereum-Produkte entfielen weitere 630 Millionen US-Dollar. Zusammen kommen beide auf mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar an Nettozuflüssen. Damit dreht sich das Bild: In weiten Teilen des ersten Halbjahres hatten Abflüsse das Geschehen bestimmt.
Der eigentliche Auslöser liegt im Makro-Umfeld. Das US-Finanzministerium weitete seine Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen von 2 auf mindestens 4 Milliarden US-Dollar aus und finanziert diese über zusätzliche kurzfristige Emissionen. Später signalisierte es, dafür notfalls auf den General Account zurückzugreifen, also auf das eigene Zahlungskonto. Der Markt las den Eingriff nicht als Stabilisierung der Zinskurve, sondern als Risiko einer Geldentwertung. Dazu passen ein Schuldenstand von über 40 Billionen US-Dollar und eine Rendite dreißigjähriger Papiere von 5,337 %, dem höchsten Stand seit rund 19 Jahren. Die Folge waren ein schwächerer Dollar, ein steigender Goldpreis und eine Neubewertung digitaler Assets als Schutz vor genau dieser Entwertung.
Die Positionierung verstärkte den Anstieg zusätzlich. Nach Daten von Coinglass wurden binnen 24 Stunden Short-Positionen auf Bitcoin im Volumen von mehr als 457 Millionen US-Dollar liquidiert, bei Ether waren es 112,3 Millionen US-Dollar. Bereits in der Vorwoche hatte der Markt Short-Positionen in Milliardenhöhe ausgelöscht. Der Fear-and-Greed-Index kletterte auf 83 und damit in den Bereich „Extreme Greed“. Kurzfristig ist die Stimmung also überdehnt.
Politisch bewegte sich ebenfalls einiges. Präsident Donald Trump sprach sich öffentlich für die Verabschiedung einer ausgewogenen Fassung des Clarity Act aus. Das Gesetz zur Marktstruktur liegt seit über einem Jahr im Kongress fest, strittig sind die Einordnung digitaler Assets als Wertpapiere oder Commodities, die Behandlung von Erträgen auf Stablecoins sowie geplante Handelsbeschränkungen für Abgeordnete und Amtsträger. Parallel dazu sicherte Stand With Crypto 32 Abgeordneten des Repräsentantenhauses parteiübergreifend Unterstützung für die Zwischenwahlen zu, während der Super PAC Fairshake nach eigenen Angaben 122 Millionen US-Dollar für den Wahlkampf bereithält. In die andere Richtung wirkt das Finanzministerium: Es bezog digitale Assets in die Sekundärsanktionen gegen den Iran ein.
Die Handelsvolumina hielten mit der Kursbewegung nicht Schritt. An den zentralen Börsen verdoppelte sich das Volumen binnen fünf Handelstagen auf rund 37 Milliarden US-Dollar, das Zwölfmonatshoch von 105 Milliarden US-Dollar bleibt jedoch weit entfernt. Im Monatsvergleich zeigt sich dasselbe Bild: Im August summierten sich bislang rund 490 Milliarden US-Dollar, im Juli waren es 670 Milliarden. Diese Zahl braucht allerdings Einordnung. Das Spot-Volumen der zentralen Börsen teilt sich die Nachfrage inzwischen mit den Spot-ETFs und zunehmend auch mit dezentralen Handelsplätzen wie Hyperliquid und Lighter.
Der übrige Markt legte noch kräftiger zu. Ether gewann im gleichen Zeitraum mehr als 30 %, XRP 53 % und Solana 34 %. Die Marktkapitalisierung ohne Bitcoin und Ethereum stieg um rund 13 %. Strategy verkaufte zwischen dem 17. und dem 23. August eigene Aktien für etwa 2 Milliarden US-Dollar, ohne den Bestand von 840.447 BTC anzutasten. Vorherrschend ist die Deutung, dass es sich um eine Nachholbewegung gegenüber anderen Risikoanlagen handelt und nicht um den Beginn eines neuen Zyklus. Der Blick richtet sich nun auf den PCE-Preisindex in dieser Woche.

Title: BTC and ETH Total Exchange Volume; Source: The Block, Teroxx Research
Ob sich der Anstieg festigt, entscheidet der Makro-Kalender. Im Mittelpunkt steht der PCE-Preisindex, das bevorzugte Inflationsmaß der Fed. Fällt er schwächer aus als erwartet, stützt das die Erwartung einer lockereren Geldpolitik und günstigerer Finanzierungsbedingungen. Ein festerer Wert dagegen treibt Anleiherenditen und Dollar und nimmt der aktuellen Bewegung ihr wichtigstes Argument.
Drei weitere Größen verdienen Beachtung. Erstens das lange Ende der Zinskurve, denn die dreißigjährige Rendite bewegt sich weiter nahe ihren Mehrjahreshochs und deutet auf strukturell straffere Bedingungen hin. Zweitens die Beständigkeit der ETF-Zuflüsse, die zeigen würde, dass hier tatsächlich allokiert und nicht nur taktisch gehandelt wird. Drittens der Fortgang des Clarity Act im Kongress, für den es weiterhin keinen Zeitplan gibt.
Was das für Anleger:innen bedeutet
Der Anstieg hat seinen Ursprung im Makro-Umfeld und nicht in den Fundamentaldaten des Sektors. Bitcoin verhielt sich wie eine Absicherung gegen Geldentwertung und bewegte sich damit in dieselbe Richtung wie Gold. Wie tragfähig die Bewegung ist, hängt deshalb an den langfristigen Renditen, am Dollar und an den Inflationsdaten. Kennzahlen aus dem Markt für digitale Assets selbst geben darüber wenig Auskunft.
Die Qualität der Zuflüsse ist gemischt. Über ETFs kommt echtes allokiertes Kapital, das über regulierte Vehikel investiert wird. Ein erheblicher Teil der Kursbewegung geht aber auf liquidierte Short-Positionen zurück, und das ist ein mechanischer Effekt, der sich nicht wiederholen lässt. Das gedämpfte Börsenvolumen zeigt zudem, dass die Beteiligung insgesamt schmal bleibt. Eine Stimmung im Bereich extremer Gier, hartnäckige Inflation und hohe Langfristrenditen sprechen für einen schrittweisen Positionsaufbau mit vorab festgelegten Größen. Taktische Anpassungen, die allein der jüngsten Kursbewegung folgen, sind das schwächere Vorgehen.