Im Rampenlicht:
Das bestimmende geopolitische Ereignis der Woche war die Unterzeichnung eines Memorandums of Understanding zwischen den USA und dem Iran, das Präsident Trump und Vizepräsident Vance am Montag elektronisch unterzeichneten. Das Abkommen sieht eine sofortige Einstellung der Feindseligkeiten sowie die Wiedereröffnung der Straße von Hormuz vor, die bis Freitag vollständig geöffnet sein soll. Die Reaktion an den traditionellen Märkten fiel deutlich aus: Brent-Rohöl verlor mehr als 4 %, der S&P 500 legte 1,7 % zu, der Nasdaq 100 stieg um 3,1 %, und asiatische Aktien sprangen um mehr als 3 % nach oben. Bitcoin hingegen reagierte kaum, erreichte kurzzeitig ein 24-Stunden-Hoch von 67.217 USD und fiel anschließend auf rund 66.045 USD zurück. Dies war bereits der dritte Waffenstillstandsversuch zwischen den Parteien, und Bitcoin hatte die Erholungsrallye nach dem Waffenstillstand im April sowie den Angriffen vom 9. Juni jeweils vollständig wieder abgegeben. Viele Marktteilnehmer warten auf die formelle Unterzeichnung des Abkommens am 19. Juni in der Schweiz, bevor sie Kursgewinne als nachhaltig einstufen. Zusätzliche Unsicherheit entstand durch Berichte halboffizieller iranischer Medien, wonach in letzter Minute eine Klausel zur gemeinsamen iranisch-omanischen Verwaltung der Schifffahrtsdienste in der Meerenge aufgenommen wurde, die Washingtons Forderung nach dauerhaft zollfreier Durchfahrt widerspricht.

An der geldpolitischen Front hob die Bank of Japan ihren Leitzins am Dienstag um 25 Basispunkte auf 1,0 % an, das höchste Niveau seit 1995. Der Beschluss fiel mit 7 zu 1 Stimmen im geldpolitischen Ausschuss. Die Entscheidung war von hawkischen Signalen begleitet, die auf steigende Inflationsrisiken hinwiesen, darunter eine schneller als erwartet verlaufende Weitergabe höherer Energiepreise an die Verbraucher. Das eigentliche Überraschungsmoment lag jedoch in einer taubenhaften Gegenmaßnahme: Die BOJ setzte ihre Reduzierung der Anleiheankäufe aus und fixierte die monatlichen JGB-Käufe ab April 2027 bei rund 2 Billionen Yen. Indem sie den Aufwärtsdruck auf die langfristigen Renditen begrenzte, dämpfte die Zentralbank die marktverstörenden Auswirkungen der strafferen Kurzfristzinsen. Bitcoin reagierte konstruktiv und stieg im unmittelbaren Nachgang von rund 65.600 USD auf 66.000 USD, da die Ankaufspause als ausgleichendes Signal gewertet wurde.

Die ETF-Ströme zeichneten ein differenziertes Bild. Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten die fünfte Abflusswoche in Folge, doch verlangsamte sich der Abfluss deutlich auf 315,8 Millionen USD, einen Bruchteil der in den Vorwochen verzeichneten Abflüsse von jeweils über 1 Milliarde USD. Die Montags-Session offenbarte dabei eine konstruktive Nuance: Der ausgewiesene Nettoabfluss von 64 Millionen USD verschleierte, dass BlackRocks IBIT, der größte Fonds, tatsächlich 66 Millionen USD anzog. Der gesamte Nettoverlust stammte aus dem Grayscale-Produkt GBTC, dem gebührenintensiven Altfonds, der seit der Markteinführung der Spot-ETFs kontinuierlich Mittel verliert und am Montag 124 Millionen USD abgezogen sah. Ohne GBTC war es eine gewöhnliche Handelssitzung. Parallel dazu verzeichneten Ether-Fonds Zuflüsse von 22,5 Millionen USD, Hyperliquid-Produkte 17,2 Millionen USD sowie XRP- und Solana-Produkte jeweils rund 2,8 Millionen USD, im Einklang mit der Kursentwicklung dieser Vermögenswerte.
Altcoins übertrafen Bitcoin im Wochenverlauf deutlich: XRP legte rund 7 % zu, Solana 6 %, und Hyperliquid's HYPE führte die Rangliste mit einem Plus von 6,3 % an. Ob diese Rotation eine echte Neuausrichtung institutionellen Kapitals darstellt oder lediglich einen kurzfristigen Momentumhandel, wird sich zeigen, sobald der anhaltende Abfluss aus GBTC nachlässt. Die Größenverhältnisse bleiben dabei entscheidend: Bitcoin-ETFs halten rund 83 Milliarden USD an Vermögenswerten, gegenüber 10 Milliarden USD für Ether und jeweils rund 1 Milliarde USD für XRP-, Solana- und Hyperliquid-Produkte.

Strategy setzte seine systematische Akkumulationsstrategie fort und erwarb zwischen dem 8. und 14. Juni 1.587 BTC zu einem Durchschnittspreis von 63.024 USD je Coin für rund 100 Millionen USD. Der Gesamtbestand beläuft sich nun auf 846.842 BTC, die laut Verwaltungsratsvorsitzendem Michael Saylor einen Wert von rund 56 Milliarden USD aufweisen, bei einem Einstandspreis von durchschnittlich 75.656 USD je Bitcoin und einem Gesamtaufwand von rund 64,1 Milliarden USD inklusive Gebühren.
Das breitere Risikoumfeld wurde darüber hinaus durch den aufsehenerregenden Börsengang von SpaceX geprägt. Das Unternehmen erzielte nach Ausübung der Mehrzuteilungsoption einen Emissionserlös von 85,7 Milliarden USD, während die Aktie am ersten vollständigen Handelstag um mehr als 19 % zulegte und damit einen zweitägigen Kursanstieg von 43 % verzeichnete. Die Privatanleger spielten dabei eine bemerkenswerte Rolle: Einzeltitelverkäufe erreichten das höchste Niveau seit November 2023, da Investoren Halbleiterwerte abstießen, um SpaceX-Positionen aufzubauen. Die Begeisterung rund um SpaceX sowie der anhaltende Kapitalzufluss in Aktien aus dem Bereich Künstliche Intelligenz stellen eine direkte Konkurrenz um jenes Grenzkapital dar, das andernfalls in digitale Vermögenswerte geflossen wäre.
Ausblick
Im Fokus steht die Zinsentscheidung der US-Notenbank am Mittwoch, die erste unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh, vor dem Hintergrund einer hartnäckig erhöhten Inflation, die durch gestiegene Energiekosten im Zuge des Irankonflikts befeuert wird. Darüber hinaus wird der Markt genau beobachten, ob das amerikanisch-iranische Abkommen bis zur formellen Unterzeichnung am 19. Juni Bestand hat und ob die Straße von Hormuz wie angekündigt vollständig geöffnet wird. Ein reibungsloser Ablauf dürfte das aufgestaute Risikoappetit freisetzen, das Bitcoin bislang in Schach gehalten hat. Bleibt der Durchbruch aus, dürfte die aktuelle Zurückhaltung anhalten. Auf institutioneller Seite bleibt die entscheidende Frage, ob die Verlangsamung der ETF-Abflüsse der vergangenen Woche einen echten Wendepunkt markiert, wobei die anhaltenden Zuflüsse in IBIT ein konstruktives Frühsignal liefern.