Spotlight
Zum Auftakt des neuen Quartals hat der Markt für digitale Assets an Schwung gewonnen. Bitcoin bestätigte die starke Unterstützungszone bei rund 60.000 US-Dollar und leitete einen leichten Aufwärtstrend ein. Die meisten anderen digitalen Assets zogen mit: Ethereum legte auf Wochensicht mehr als 10 % zu, Bitcoin rund 6,5 %. Zwei Treiber stehen hinter dieser Entwicklung: ermutigende Fortschritte beim Clarity Act, dem Gesetz zur Marktregulierung in den USA, das nun voraussichtlich schon 2026 in Kraft tritt, sowie erste einsetzende Nettozuflüsse in die Spot-ETFs.
Auch Gold erreichte ein neues Mehrwochenhoch, sodass nahezu alle Märkte im Gleichklang stiegen. Immer wahrscheinlicher wird eine Umschichtung von Kapital aus KI-Aktien in andere „Risk-on“-Anlagen: Die Aktienmärkte im KI-Bereich haben sich stabilisiert, Gewinne wurden mitgenommen, frisches Kapital könnte nun in die Märkte fließen.
Source: CoinMarketCap, Teroxx Research
In der Eurozone ließ der wirtschaftliche Druck vergangene Woche spürbar nach. Die Inflationsrate fiel im Juni auf 2,8 %, vor allem wegen sinkender Energiepreise. Zugleich signalisierten die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten mit nur 57.000 neu geschaffenen Stellen eine deutliche Abkühlung der Wirtschaft in Übersee. Dieses doppelte Nachlassen von Preis- und Beschäftigungsdruck zerstreute an den globalen Finanzmärkten die Sorge vor dauerhaft hohen Zinsen und stärkte die Stimmung. Begleitet wurde der Trend von nachgebenden Ölpreisen und einem weiterhin robusten, KI-getriebenen Investitionszyklus der Unternehmen. Solange die Fed ihre Haltung nicht deutlich ändert, dürfte Bitcoin aus diesem Muster kaum ausbrechen.
Beim Krypto-Pionier Strategy (ehemals MicroStrategy) hellte sich die zuvor sehr angespannte Stimmung vergangene Woche merklich auf. Das Unternehmen kündigte ein neues, flexibles Kapitalrahmenwerk an (Digital Credit Capital Framework), das ihm nun den strategischen Verkauf von Bitcoin im Wert von bis zu 1,25 Milliarden US-Dollar erlaubt. An den Märkten sorgte das für Aufatmen. Mit der Abkehr von der bislang kompromisslosen Akkumulationsstrategie sichert sich Strategy dringend benötigte Liquidität für Dividenden und Aktienrückkäufe und stabilisiert zugleich die Bilanz nach der jüngsten Korrektur am Kryptomarkt. Die Anleger belohnten die neue finanzielle Flexibilität umgehend: Nach langer Durststrecke gewann die Aktie auf Wochensicht über 22 %.
Auf der Weltbühne richten sich alle Blicke auf den bevorstehenden NATO-Gipfel in Ankara. Er findet vor dem Hintergrund spürbarer transatlantischer Spannungen und angekündigter US-Truppenreduzierungen in Europa statt. Die Frist zur Verlängerung des nordamerikanischen USMCA-Abkommens ist ohne Einigung verstrichen, was den Welthandel weiter verunsichert: Washington verlangt weitreichende Neuverhandlungen, bevor es einer Verlängerung zustimmt. Im Nahen Osten flammten zugleich die geopolitischen Risiken wieder auf. Neue militärische Zwischenfälle im Persischen Golf stoppten abrupt die jüngste diplomatische Annäherung zwischen den USA und dem Iran. Einen kleinen strategischen Lichtblick bot immerhin die schrittweise Umsetzung des neuen Sicherheitsrahmens zwischen Israel und dem Libanon, der einen kontrollierten Truppenrückzug in den Grenzregionen vorsieht.
Schwache US-Arbeitsmarktdaten und dovishe Signale der Notenbank lösten bei Ethereum einen plötzlichen Kurssprung aus. Der massive Short Squeeze liquidierte Short-Positionen im Wert von 281 Millionen US-Dollar und katapultierte den Token zurück über die Marke von 1.700 US-Dollar. Zusätzlichen fundamentalen Schub gab der offizielle Start der Initiative Ethereum Institutional, die traditionelle Bankbeziehungen und institutionelles Kapital in großem Stil auf die Blockchain bringen soll. Trotz hoher ETF-Abflüsse im Juni stabilisierten sinkende Bestände auf den Handelsplätzen und ein demonstratives Staking-Signal der Foundation das Ökosystem. Die zuvor extreme Nervosität am Markt ließ vorerst nach.
Ausblick
Diese Woche gilt die Aufmerksamkeit vor allem dem Protokoll der jüngsten Sitzung der US-Notenbank (FOMC Minutes), das am Mittwoch erscheint. Nach dem schwachen Arbeitsmarktbericht erhoffen sich die Marktteilnehmer daraus klarere Signale für kommende Zinssenkungen. Neue Konjunkturdaten wie der ISM Services PMI aus den USA sowie frische Inflationszahlen aus China und Deutschland dürften zudem zeigen, dass das globale Wachstum bei nachlassendem Preisdruck stabil bleibt. Für zusätzliche Bewegung an den Aktienmärkten sorgt der inoffizielle Auftakt der Berichtssaison zum zweiten Quartal: Große US-Unternehmen wie PepsiCo und Delta Air Lines geben Einblick in ihre Zahlen. Für die Krypto- und Tech-Märkte wird diese dichte makroökonomische Agenda zum entscheidenden Gradmesser, ob die jüngste Erholungsrally auf solidem Fundament steht oder die Volatilität zurückkehrt.